Rasender Stillstand: Bologna vs. soziale Netzwerke

Viele, sehr viele Dinge haben die berühmte “zweite Seite”. So auch das Studium. Und zwar in einer Art und Weise, die ich erst kürzlich völlig realisierte. Denn spätestens, wenn man feststellt, dass diese zweite Seite so ein wenig an die Wahl von Anakin Skywalker in Star Wars III zwischen heller und dunkler Seite der Macht erinnert, die man sehr bald bereuen kann, merkt man plötzlich, dass viele Möglichkeiten der modernen Welt nicht nutzbar sind, wenn man halbwegs bei Verstand ist.

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Abschied oder Master? Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Um es etwas weniger mystisch zu formulieren: Die Wahlfreiheit, an welcher Uni man seinen Master macht, ist ein Problem, da man sich entscheiden kann zwischen effizientem Studium und seinen neu gewonnenen Freunden. Denn mittlerweile bin ich persönlich zwar schon im fünften Semester, also nur noch wenige Monate vor der schwierigen Entscheidung, bin aber genau jetzt auch erst in Bonn “angekommen”. Erst jetzt fühle ich mich hier wirklich heimisch – und jetzt soll es schon wieder weiter gehen?

Es ist ein wenig wie die Wahl zwischen Pest und Cholera: Ungewollter Master oder social awkwardness? Hier fängt das anfangs beschriebene Dilemma an – macht man seinen Master an der gleichen Uni wie den Bachelor, obwohl man gemerkt hat, dass der Master in einer Stadt 200 Kilometer weit weg viel besser auf die eigenen Interessen passt oder will man wieder völlig von Null anfangen?

Noch vor 4 Jahren hätte ich ganz klar gesagt: Von Null anfangen! Aufgrund vieler Umzüge und allgemein nicht der allerschönsten Freundschaften war ich es gewohnt, ständig neue Leute kennen und schäzen zu lernen. Dass sich das einmal so krass ändert, hätte ich nicht gedacht, aber nun stehe ich vor dem Dilemma, das sich sogar in Statistiken niederschlägt, die da sagen, dass die allerwenigsten Studenten den Studienort zum Master ändern. Das sehe ich auch an den Freunden, die ich hier in Bonn kennen gelernt habe – auch hier bleiben überdurchschnittlich viele in Bonn.

Und so stellt sich ein weiteres First-World-Problem: Erst mit 30 Sesshaft werden, dafür ganz viel gelernt und erfahren haben, mit 40 dann das erste Kind, dass bei meinem Lebensstil vermutlich nicht einmal mit dem Studium fertig sein wird, wenn ich das Zeitliche segne, oder ganz modern auf Karriere nichts geben und dafür eine nette, kleinbürgerliche Familie haben?

Ich denke, wenn da nichts Neues mehr an Gründen kommt, werde ich den klassischen Coin Toss probieren. Das Leben ist so oder so ein Glücksspiel – warum also nicht?

One thought on “Rasender Stillstand: Bologna vs. soziale Netzwerke

  1. benharbs says:

    Das ist wirklich eine sehr verzwickte Entscheidung. Ich würde versuchen die zu nehmen, welche ich weniger bereuen würde. Hoffe du findest bald deine Lösung!

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