Die Sache mit der Mehrwerttheorie

Als aufgeklärter Europäer, Anhänger des alten, soziologischen Freigeistes und gesegnet mit Freundschaften, die es geschickt verstehen, mich argumentativ gegen die Wand zu fahren, ist mir heute etwas begegnet, dass man getrost als anti-sozialistisch bezeichnen kann. Bevor man mir hier aber ideologische Verblendung vorwirft, bitte ich um Beachtung der unten stehende Ausführung eines Professors, der sich allzu weit aus dem Fenster lehnte, und versuchte, Karl Marx auf eine Art und Weise zu widerlegen, die getrost als witzig bezeichnet werden kann. Es lohnt sich. Continue reading

Mein persönliches Großprojekt: Das DIY-Musikalbum

Kennt ihr diesen Moment, wenn ihr einen Film im Kino seht, der eines dieser klassischen Happy Endings hat? Wenn die Protagonisten dem Sonnenuntergang entgegen fahren, begleitet von epischer Schlussmusik? Jetzt nehmt dieses Gefühl und multipliziert es mit einer Zahl >10, dann wisst ihr in etwa, wie ich mich gerade fühle.

Was ist passiert? Nunja, seit ich ein kleines Kind bin, mache ich Musik. Zuerst von der Familie gezwungen, habe ich mir mit 16 Jahren selbst Gitarre beigebracht und irgendwann auch Spaß am Komponieren gefunden. Das hat zum einen zu einer recht vollständig mit Noten zugemüllten Festplatte geführt – und zum anderen nach knapp einem Jahr Arbeit auch endlich zu einem ersten, eigens komponierten und eingespielten Album.

Und irgendwo passt der Name des Albums, “The Dream of Breaking Free” mit dem Hauptsong “Death Of A Dream” sehr sehr gut nicht nur zu Erlebnissen, die ich in den letzten Jahren hatte, sondern auch ein wenig zu dieser “Entzauberung der Welt”, von der Max Weber gerne gesprochen hat. Ich meine: Man ist ja immer gewillt, diese träumerischen Ideen von einem Leben als Rockstar zu haben. Man denkt: “Hey, das Größte, was ich im Leben tun will, ist, ein Album aufzunehmen!” und muss dann feststellen, dass das tatsächlich harte Arbeit ist und die meisten Musiker – auch wenn die Musik selbst nicht so gut sein sollte – ihr Geld verdienen.

Alles fing an, dass mir irgendwann aufgefallen ist, wie viele fertige Songs ich auf dem Rechner hatte. Zudem spielte ich schon seit langer Zeit mit dem Gedanken, ein eigenes Album aufzunehmen. Dann hat sich meine alte Band aufgelöst, ich hatte viele Ressourcen frei und konnte mich einmal daran wagen. Und irgendwie hat der Plan, ein Album tatsächlich aufzunehmen, meine Kreativität arg befördert: Fünf der Songs auf dem Album sind erst nach diesem Plan entstanden.

Die meiste Zeit wurde in Anspruch genommen vom eigentlichen Songwriting, weil ich auch die restlichen Songs erst noch fertig schreiben musste. Ab dem 1. August konnte ich dann endlich mit den Aufnahmen beginnen – und das war vielleicht nicht das Zeitintensivste, aber das Nervenaufreibendste an der ganzen Produktion. Denn hier wurden die Songs erst fertig. Hier noch eine Gitarrenspur mehr rein, dort noch eine Zweitstimme rein. Ganz allgemein wurde mir mein Hang zur Zweitstimme zum Verhängnis: Vor den Aufnahmen gab es in einem Song eine Zweitstimme, danach in fünf.

Und dann war da noch das Motivationsproblem. Wenn man gerade das erste mal die Idee eines eigenen Albums bekommt, sieht man die Motivationsspanne immer höher steigen. Wenn man den Kram dann tatsächlich aufnimmt, sieht die Kurve eher anders herum aus. Beim Songwriting hatte ich noch große Motivation: Neue Ideen sich entwickeln zu sehen war unglaublich elektrisierend. Aber dann kamen wie gesagt die Aufnahmen, und im letzten Monat war ich in etwa so motiviert, das Album zum Ende zu bringen, wie Ronald Pofalla, Dinge zu diskutieren.

Und hier kommt die nächste Erkenntnis: Dass in den Albencredits ständig steht, dass die Band ihrer Familie und ihren Freunden dankt, hat nichts mit Schleimertum zu tun, sondern vielmehr damit, dass Leute, die von so einer Produktion nicht betroffen sind, ständig fragen: “Wann kann man das Album endlich hören?” oder “Seid ihr endlich fertig?”. Und irgendwann fangen diese Fragen so an, zu nerven, dass man das Album einfach fertig produziert. Und am Ende ist man dann dankbar.

Bevor ich euch diesen wundervollen, musikalischen DIY-Erguss präsentiere, hier noch eine Liste weiterer Dinge, die im Laufe der Produktion ihr Leben verloren haben:

  • Die Hintergrundstory
  • Die Songreihenfolge
  • Das ursprüngliche Cover
  • Andere Menschen mit in die Produktion einzubinden
  • Eine Coverversion von Bear McCrearys “Gaeta’s Lament”
  • Manche Lyrics
  • Meine Ehre als Mann (Die Zweitstimmen sind alle von mir eingesungen. Kein Witz.)
  • Die Nerven meiner Nachbarn
  • Viele Kabel
  • 2 Pakete Strings

And here it goes! Wenn ihr mir helfen wollt, die zahllosen Anklagen wegen Lärmbelästigung (die nicht nur der Lautstärke geschuldet sind…) zu bezahlen, fühlt euch frei, ein paar (hundert) Centstücke für das Album zu spenden! ;)